Was passiert, wenn eine einfache Internetrecherche das gesamte Familiennarrativ zerreißt? Mit Anfang dreißig findet die Erzählerin ihren Großvater: Helmut Rauca, SS-Hauptscharführer im Ghetto Kaunas, verantwortlich für den Tod von über 9.000 Menschen.
Das Buch beschreibt die radikale Bewegung vom erschrockenen Verstummen hin zur aktiven Verantwortung. Es ist die Geschichte einer Spurensuche, die nach Litauen führt – zu den Orten des Massenmords, aber auch in die lebendige jüdische Gemeinde von heute. Im Zentrum steht die lebensverändernde Begegnung mit der Holocaust-Überlebenden Irena Veisaitė, deren Worte über Freiheit und Versöhnung den Weg aus dem Schweigen ebnen.
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Zwischen brennender Lebensgier und dem Schatten der Vergangenheit: Entdecken Sie meine Romane über das Erwachsenwerden in der Enge der Systeme.
Die DDR liegt in den letzten Zügen und für die eigenwillige Marie ist es schwer, ihren Platz zu finden. Als Hilfspflegerin in einer »geschlossenen Anstalt« bei Dresden, die halb Irrenanstalt, halb Pflegeheim ist, hat sie mit fundamentalen Christen, darunter eifrige IMs, und ausbruchswilligen Insassen zu tun. Daneben quält sie das Wissen über ihren Großvater, der unter Hitler ein Massenmörder war. So bleibt ihr oft nur die Flucht in die Dresdner Kulturszene. Doch dann erlebt sie in der Wendezeit, als sie an der Ost-Berliner Schauspielschule ihren Traumjob studiert, unglaubliche Dinge.
Nach ihrem aufsehenerregenden Erstling »Vuchelbeerbaamland« erzählt Rauca in ihrem neuen Roman von der konfliktreichen Suche einer jungen, unangepassten, lebenshungrigen Frau nach Glück, Liebe und Identität.
Vuchelbeerbaamland
Roman
Mitteldeutscher Verlag 2008
ISBN : 978-3-89812-542-0
Irgendwie stimmt es von Anfang an nicht. Marie hat rote Haare und fühlt sich wie ein Hexenkind. Als ebenso phantasievoller wie widerspenstiger Wildfang wächst sie im idyllischen Vogtland auf. Stoisch blendet die liebevolle, aber strenge Mutter alles aus, was über den engsten Familien- und Kirchenkreis hinausgeht, der Vater erzieht die Kinder warmherzig, aber voll unterschwelliger Wut auf „die Roten“. Man verhält sich unauffällig – Marie jedoch fällt aus dem Rahmen. Bei den Mitschülern unbeliebt und in der eigenen Familie immer wieder aneckend, sucht Marie nach Orientierung und findet diese mal in der Kirche, mal in der staatlichen Ideologie. Da wird ihr ohnehin schwankendes Weltbild grundlegend erschüttert, als der in Kanada lebende Großvater in aller Öffentlichkeit an die BRD ausgeliefert wird und sie erfährt, dass ausgerechnet jenes Familienmitglied, dem sie sie sich wirklich verwandt fühlte und das für sie zum Symbol der Freiheit geworden ist, ein international gesuchter SS-Verbrecher ist.
„Vuchelbeerbaamland“ (dialektale Aussprache von „Vogelbeerbaumland“ und Symbol für die Region des Vogtlandes, aber vor allem für „die geistige Enge, Beschränktheit und Provinzialität, die überall sein kann“) erzählt in spielerisch-origineller Weise und mit oft beißendem Humor nicht nur eine Geschichte vom Erwachsenwerden im deutschen Osten, sondern von der überall schwierigen und konfliktreichen Suche nach Orientierung und Identität in der Vielschichtigkeit und Brüchigkeit der Systeme.
Fatzvogel
Roman
Mitteldeutscher Verlag 2014
ISBN 978-3-95462-126-2
Herkunft: Geboren 1967 in Plauen, ev.-luth. sozialisiert, medizinische Ausbildung in Dresden.
Bühne: Schauspielstudium (u.a. HfS „Ernst Busch“ Berlin), Staatliche Bühnenreife 1993. Langjährige Engagements u.a. am Düsseldorfer Schauspielhaus und den Kammerspielen Paderborn.
Literatur: Freischaffende Autorin seit 2003. Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS) Land Brandenburg.
Werke: Romandebüts „Vuchelbeerbaamland“ (2008) und „Fatzvogel“ (2014) im Mitteldeutschen Verlag.
Spurensuche: Seit 2017 intensive Recherche- und Lesereisen nach Litauen (2018, 2019, 2025). Dokumentation durch Interviews und TV-Beiträge.
Heute: Lebt in Potsdam als Schriftstellerin, Sängerin und Lehrkraft für Deutsch an der Europäischen Sportakademie Brandenburg.
Vuchelbeerbaamland
Reglindis Rauca ist es gelungen, ein kleines Meisterstück der Erzählkunst vorzulegen, dem man auch ihre Beschäftigung mit dramatischen Texten deutlich anmerkt.
Vuchelbeerbaamland
Dem Mitteldeutschen Verlag ist mit Reglindis Rauca die Entdeckung eines besonderen literarischen Talents gelungen.
Vuchelbeerbaamland
Endlich mal wieder ein Buch das man nicht aus der Hand legt, in das man sofort eintaucht, man wird Teil der Geschichte, fühlt mit. Liest nicht, sondern erlebt.
Vuchelbeerbaamland
Der Roman lässt sich als Zeitbild empfinden, das Reglindis Rauca wie ein Mosaik aus vielerlei Episoden und Reflexionen zusammenfügt. Eine literarisch geschickte und sprachkräftige Komposition, die zur Identifizierung drängt. …
Fatzvogel
Ein außerordentliches, großartiges Buch. … Bemerkenswert an diesem literarischen Debüt ist die Sicherheit der Komposition und die souveräne Nutzung auch moderner künstlerischer Mittel. Da wird zwar in der Regel chronologisch erzählt, aber Rückblenden, Assoziationen, lyrische Einsprengsel oder auch der sichere Umgang mit der Syntax machen das Buch lesenswert und spannend.
Vuchelbeerbaamland
Fatzvogel ist ein gut geschriebenes, freches und vor allem authentisches Buch mit autobiografischen Zügen.
Fatzvogel
Ein poetischer Roman, in dem das Grauen zwischen den Zeilen schwebt.
Vuchelbeerbaamland
… treffend formulierte Prosa, zupackend, fesselnd und mit der Gabe, eine Situation, eine Stimmung, eine Atmosphäre in wenigen Worten und knappen Sätzen plastisch werden zu lassen.
Fatzvogel
Verlag des Instituts für litauische Literatur und Folklore, Vilnius, „Ich fühle Sie wie eine Schwester“ – Erzählung in: Unsere Irena (2023)
Rotbuch Verlag, „Wut im Bauch“ – Erzählung in: Anthologie MDR-Literaturwettbewerb (2010)
VG WORT, Literatur-Stipendium im Rahmen von NEUSTART KULTUR (2021)
MFWK Brandenburg, Mikrostipendien für literarische und musikalische Projekte (2020/21)
Land Brandenburg, Auslandsstipendium Sparte Literatur/Übersetzung/Dramatik für das Projekt: „Die Verbrechen meines Großvaters: Eine Spurensuche in Litauen“ (2017)
Landeshauptstadt Düsseldorf, Förderpreis für Literatur (2008)
Eine Annäherung zwischen Licht und Schatten: Mein Weg nach Litauen, um den monströsen Taten meines Großvaters zu begegnen und in der Wärme der Überlebenden Versöhnung zu finden.
Durch ihre bildhafte, assoziative Wortkunst gibt die Autorin den Lesern die Möglichkeit, in alles förmlich eintauchen zu können, wie als unsichtbarer Gast dabei zu sein und die jeweilige/n Atmosphäre, Situationen fast "unmittelbar" zu spüren.